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Buchtipps - Belletristik

Mensch und Geschichte – diese beiden Elemente sind die Säulen in Colum McCanns Romanen wie Zoli, Der Tänzer oder Der Himmel unter der Stadt. In seinem neuen Werk Transatlantik sind es drei historische Begebenheiten, die der Autor geschickt mit dem Schicksal einer Handvoll Menschen verknüpft.

“Das war ich nicht” erzählt von drei Menschen, deren Leben durch Zufall in eine abenteuerliche Abhängigkeit gerät. Da ist Jasper Lüdemann, er  ist Börsenmakler. Er hat es in den Händlersaal einer großen Investmentbank in Chicago geschafft und kann jetzt zeigen, was in ihm steckt. Er gerät allerdings in einen Abwärtsstrudel an der Börse, den er nicht mehr kontrollieren kann. Er kauft und verkauft Optionen ohne Kundenauftrag und macht nach anfänglichen Gewinnen enorme Verluste.

Joe, ein 13jähriger Junge, lebt mit seinen Eltern in einem Reservat des Stammes der Chippewa in North Dakota. Es ist Sommer, im Jahr 1988, an einem gewöhnlichen Sonntag. Joe und sein Vater, ein Stammesrichter, verbringen den Tag zu Hause. Die Mutter, Archivarin des Stammes und somit Spezialistin für Fragen der Stammeszugehörigkeit, war angerufen worden und mit einem Ordner weggefahren. Als sie zurückkommt, ist nichts mehr wie vorher: sie wurde brutal misshandelt und vergewaltigt. Wer der Täter war, kann sie nicht sagen. Auf jeden Fall ein Weißer.

Der amerikanische Autor John Williams gelangte in Deutschland erst posthum zu literarischem Ansehen. Sein Roman Stoner um einen aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Literaturprofessor fand bei Kritikern und Lesern großen Anklang. Nun ist im dtv ein zweiter großartiger Roman dieses Autors aus dem Jahr 1960 erschienen  und in diesem lässt der Autor seinen Helden den umgekehrten Weg gehen.

„Löwen wecken“ ist ein fesselndes Buch! Schon auf den ersten beiden Seiten, im Prolog, ahnt man, was da auf einen zukommen könnte, aber tatsächlich übertrifft der Inhalt dieses Romans die Ahnungen bei weitem. Der israelische Neurochirurg Etan Grien überfährt nachts in der Wüste einen Mann, einen Eritreer, der ihm vor das Auto gelaufen ist. Als Arzt erkennt er, dass der Verletzte keine Überlebenschance hat, und da er sich unbeobachtet fühlt,  beschließt er, sich selbst, seine Karriere und seine Familie zu schützen und den Mann liegen zu lassen.

Es gibt viele Fotografinnen, die Anfang des 20. Jahrhunderts geboren wurden, etliche berühmt, einige vergessen. Namen wie Berenice Abbott, Diane Airbus, Tina Modotti, Lee Miller fallen mir da ein. Aber von einer Fotografin namens Amory Clay habe nicht nur ich nie gehört. William Boyd hat sie sich ausgedacht. In seinem Roman erzählt er das Leben von Amory. Schon als Kind wird ihre Leidenschaft fürs Fotografieren geweckt und es gelingt ihr früh, durch eine Ausstellung auf sich aufmerksam zu machen. Das wird die Grundlage für ihren Erfolg als Gesellschaftsfotografin in Berlin und London.

1979 kämpft im Iran der junge Behsad in der Kommunistischen Partei gegen das Regime des Schahs. Als der vermeintliche Erlöser in Gestalt von Ayatollah Khomeini per Air France einschwebt, ist der Kampf entschieden, die Freiheit jedoch scheinbar endgültig verloren. Nahid kann sich knapp vor der Welle der Verhaftungen retten, und während die Bewegung zerschlagen wird und die Kampfgefährten unter der Folter leiden, beginnt für ihn der Weg ins Exil.

Geben Sie, geschätzte Leser, dem Fabulieren eine Chance! Diesem Satz, den die junge Autorin ihrem zweiten Roman voranstellt, möchte ich mich aus ganzem Herzen anschließen. Vea Kaiser mag nicht die perfekte Stilistin sein, aber erzählen kann sie, dass es eine wahre Freude ist.

Ins County Wexford der späten 60er Jahre führt uns Colm Tóibíns wundervoll unsentimentaler Roman, und seine Heldin Nora Webster gehört zu den faszinierenden Frauengestalten der Literatur. Eine liebenswerte Identifikationsfigur ist diese Frau sicher nicht mit ihren Ecken und Kanten, ihren Schwächen und ihrer Hilflosigkeit, doch sie ist eine Frau, die zu ihren Fehlern steht und nie klein beigibt. Und vielleicht ist gerade das doch wieder liebenswürdig an ihr.

Unsere Empfehlung: Der Anruf einer Anwaltskanzlei bedeutet für den frustrierten Literaturprofessor Samuel Anderson das erste Lebenszeichen seiner Mutter seit über zwanzig Jahren. Als er ein kleines Kind war, hat sie ihn und den Vater ohne ein Abschiedswort verlassen und nun fordert das Anwaltsbüro seiner Mutter Samuel dazu auf, eine Stellungnahme zu ihren Gunsten zu verfassen. Denn seine Mutter Faye wird beschuldigt, den republikanischen Präsidentschaftskandidaten angegriffen zu haben.