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Buchtipps

Thene, 25, hat es sich ganz gut eingerichtet in ihrem Leben: Recht beschaulich und konservativ, sehr geregelt; studiert in Oxford, hat einen Zweitwohnsitz in Heidelberg, wo sie mit ihrem Freund gerne das Ritual des sonntäglichen Waldausfluges pflegt.

Die 12 Jahre Saarbrückens zwischen 1933 und 1945 waren eine schwere Zeit: voller Verfolgung, Flucht, Willkür und mörderischer Gewalt. Aber auch eine Zeit, in der viele Menschen mutig Widerstand leisteten und selbstlos anderen in Not halfen. Der politische Stadtführer lädt ein, die Geschehnisse dieser Jahre zu erkunden: zu Fuß, barrierefrei oder mit dem Rad. Für alle Interessierte bietet er eine reich bebilderte Einführung in dieses wichtige Kapitel Stadtgeschichte.

„Ich mag Pappel“, sagte sie, als wir unter den Bäumen nach unten gingen. Die Schatten spielten auf ihrem Kleid und auf dem rauen Asphalt Fangen. Ich blieb stehen und sah hoch in die schlanken Kronen. „Ich mag, was die Blätter im Wind machen. So wie jetzt. Es gibt kein richtiges Wort dafür.“

In Frankreich wurde der 2020 erschienene Debütroman (La petite dernière) als sprachgewaltige Geschichte weiblicher Selbstermächtigung gefeiert. Nun kann man Fatima Daas‘ Buch auch auf Deutsch lesen und sich von der Sogkraft der kurzen, eindringlichen Sätze mitreißen lassen. Jedes einzelne Kapitel fängt mit den Worten Ich heiße Fatima (Daas) an; ein Roman in Form einer sehr langen Anapher. Fatima trägt den Namen der jüngsten Tochter des Propheten Mohammed. „Einen Namen, den man ehren muss.

Jetzt im Taschenbuch: Eine mittelgroße Stadt in der Nähe von Freiburg: eine junge Frau springt vom Dach eines Mehrfamilienhauses. Das verrät uns bereits der Titel und die sehr lyrisch anmutende Beschreibung von ihrem freien Fall im Prolog.

Das Land der Anderen ist der sprachgewaltige Auftakt einer Roman-Trilogie in welcher Leila Slimani zu ihren familiären Wurzeln zurückkehrt und die Geschichte ihrer Familie erzählt.

Vor langer Zeit fand ich Modiano-Romane eher langweilig, und sicher kann man zu jung sein, um einen Autor zu schätzen, der nur über eines schreibt: das Erinnern. 2014 fand das das Nobelpreiskomitee dann preiswürdig, und auch wenn man in letzter Zeit viel Schlechtes über diesen Kostümverein sagen konnte und über Preise allgemein; die mit letzteren verbundene erzeugte Aufmerksamkeit kann immerhin zu schönen (Wieder-) Entdeckungen führen.

„Die Möglichkeiten ergeben sich immer aus dem, was bereits existiert, und sind gleichzeitig endlos. Was wir als Realität bezeichnen, ist ein Sammelsurium verwirklichter Möglichkeiten.“ Ist das Leben, das wir leben tatsächlich das richtige? Um diese Frage kreist Nina Weijers zweiter Roman Ich. Sie. Die Frau.

In einem heruntergekommenen Hochhaus in einem sozial abgehängten Viertel von Edinburgh lebt der siebzehnjährige Tyler mit seiner alkohol- und drogensüchtigen Mutter und seiner kleinen Schwester Bean. Auf ihm lastet es, den Alltag meistern zu müssen und es für Bean nicht allzu spürbar werden zu lassen, in welch ärmlichen und aussichtslosen Verhältnissen sie leben müssen. In einer Nachbarwohnung hausen sein aggressiver Stiefbruder Barry, zusammen mit dessen Schwester Kelly und zwei bösartigen Hunden.