Details

ISBN/EAN: 978-3-406-77682-3
Einband: gebundenes Buch
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Originaltitel:
The Fortune Men
Übersetzer:
Susann Urban
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
368 S.
Format (T/L/B):
3.3 x 22.2 x 15 cm

Hersteller:
Verlag C.H.Beck GmbH & Co. KG
produktsicherheit@beck.de
Wilhelmstraße 9
DE 80801 München


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Unser Tipp für Sie

„Der König ist tot, es lebe die Königin“, scheppert es aus den Radios in Tiger Bay, dem Hafenviertel der walisischen Hauptstadt Cardiff.
Wir befinden uns also im Jahre 1952, und zwar in Berlin ́s Milk Bar, dem Treffpunkt somalischer Einwanderer, in die sich tagsüber auch schon die ersten schwarzpullovrigen Studenten verirren. Mohamed erzählt die wahre Geschichte Mahmood Matifs, somalischer Seemann und Heizer, der schon seit Jahren kein Schiff mehr betreten hat, mit Frau und drei kleinen Söhnen in diesem Viertel lebt – und Opfer eines Justizirrtums werden wird.
Er schlägt sich so durch, verspielt die Arbeitslosenunterstützung auf der Pferderennbahn, vergisst nicht, seinem Kleinsten einen Teddy, seiner Frau einen Mantel zu schenken. Nicht eben legal erworben, doch Mohamed nimmt es ihrem Protagonisten nicht übel, beschreibt ihn als etwas naiven Mann, weder des Lesens noch Schreibens fähig.
Und doch weiß er, sich in diesem multiethnischen Viertel, von der Stadt Cardiff abgeschnitten durch Kanäle und Eisenbahngleise, zu behaupten. Er hat gelernt, nicht gesehen zu werden, besonders wenn ihm in der Dunkelheit die weißen Waliser begegnen heißt sein Credo, ein „Geist“ zu sein. Das misslingt auf tragische Weise, als ein Mord geschieht und er aufgrund von falschen Aussagen und Verleumdungen ins Blickfeld der Polizei gerät.
Als ausdrückliche Referenz an die polnisch-jüdische Familie, aus deren Reihen einst das Mordopfer stammte, stellt die Autorin dem Schicksal Mahmoods die Geschichte der Volackis gegenüber; der Ladenbesitzerin Violet, die gemeinsam mit Schwester und Tochter lebt, ihr Mann noch immer kriegsvermisst, in Träumen und realen Begegnungen immer wieder schmerzhaft konfrontiert mit dem Schicksal der osteuropäischen Verwandten.
Wie gänzlich verschiedene Lebenswelten auf dem engen Raum dieses Viertels existieren, das durch die Ansiedlung vor allem von Menschen aus den britischen Kolonialgebieten nach dem ersten Weltkrieg entstanden ist, beschreibt die Autorin so quirlig-lebendig, dass man sich alsbald nicht nur in Berlin ́s Milk Bar heimisch zu fühlen beginnt.
Es ist dem Roman ebendies vorgeworfen worden, nämlich allzu üppig und filmreif zu sein, besonders in der retrospektiven Lebensbeschreibung Mahmoods, eines Seefahrerlebens, das von Somalia über Indien nach Wales führt. Und sicher scheint es zwiespältig zu sein, von einem Buch, das einen real begangenen Justizmord zum Thema hat, sagen zu können, es bereite große Lesefreude.
Wir verdanken aber gerade den opulent metaphernreichen Beschreibungen tiefen Einblick in fremde (Gedanken-) welten und in ein Leben, das von kolonialen Machtverhältnissen geprägt und schließlich blankem Rassismus zum Opfer fällt.
Mohamed, in Somalia geboren und mit ihren Eltern im Alter von drei Jahren nach England gekommen, beschreibt sich selbst als ́historian at heart ́, immer an den Hintergründen einer Geschichte interessiert, und mit dieser halb dokumentarischen, halb fiktionalen Erzählung erweist sie sich auch als eine historian ́with ́a heart. (F. Peters)

 

Beschreibung

THE BOOKER PRIZE 2021 SHORTLIST 1952, Jahre nach seiner Ankunft in Großbritannien, ist Mahmood Mattan längst fest verwurzelt in Tiger Bay, dem berüchtigten Hafengebiet von Cardiff. Doch als eine Ladenbesitzerin brutal ermordet wird, richten sich plötzlich alle Augen auf ihn. Er selbst weiß um seine Unschuld und ist davon überzeugt, in einem Land zu leben, in dem Gerechtigkeit waltet. Aber die Aussicht auf Freiheit schwindet und Mahmood begreift: Er steht nicht nur in einem Kampf gegen rassistische Vorurteile und einen unmenschlichen Staat - er steht in einem Kampf um sein Leben. Mahmood Mattan kennt Tiger Bay, das berüchtigte Hafengebiet von Cardiff, mit seinen finsteren Ecken und zwielichtigen Figuren längst so gut wie die eigene Westentasche. Seine fünfköpfige Familie hält er mit wechselnden Jobs nur mühsam über Wasser. Im Glücksspiel riskiert er gerne mal seinen Monatslohn und versöhnt seine Frau Laura anschließend mit einem geklauten Mantel. Doch ist er fähig, einen Mord zu begehen? Als die Ladenbesitzerin Violet Volacki eines Abends mit durchgeschnittener Kehle in ihrem Geschäft aufgefunden wird, richten sich plötzlich alle Augen auf Mahmood - ihm droht der Galgen. In einem abstrusen Prozess voller Vorurteile und Widersprüche erkennt Mahmood, dass die Wahrheit nicht ausreichen wird, um ihn zu retten. Nadifa Mohamed erzählt in diesem aufwühlenden Roman die wahre Geschichte des Somaliers Mahmood Mattan, die - beinahe 70 Jahre später - von trauriger Aktualität ist. Mit 'Der Geist von Tiger Bay' legt die Autorin das Buch zur Stunde vor. Über ein tragisches Fehlurteil Der Roman zur Black-Lives-Matter-Bewegung Das neue Buch der gefeierten Autorin - 2013 auf der Granta-Liste der zwanzig besten britischen Nachwuchsautoren "Eine der jungen, international erfolgreichen Stimmen, die es schaffen, sich einerseits von den Festschreibungen durch ihre Herkunft zu befreien und andererseits die Geschichte ihrer Herkunftsländer im Bewusstsein zu behalten." Insa Wilke, Süddeutsche Zeitung "Dies ist der Roman der Stunde." Sigrid Löffler, Rundfunk Berlin-Brandenburg zu "Black Mamba Boy"

Über Nadifa Mohamed

Nadifa Mohamed, geboren 1981 in Somalia, kam als Kind mit ihrer Familie nach London und studierte in Oxford Geschichte und Politik. Susann Urban ist nach dem Studium der Germanistik und Anglistik, vielen lehrreichen Jahren im Buchhandel und anderswo als Übersetzerin tätig.
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