Nele Pollatschek: Dear Oxbridge
Woran denken Sie, wenn Sie an England denken? Den Brexit, natürlich. Dann vielleicht an die Queen, Tea-time und Ascot? Nele Pollatschek hat an den englischen Elite-Unis Cambridge und Oxford (amalgamiert: Oxbridge) studiert – und hat dabei nicht nur die Fächer Englische Literatur und Philosophie, sondern auch ihre britischen Mitmenschen samt Gastland studiert. Wenn sie an England denkt, dann an die Oxbridger Bildungselite, die bisher immerhin die Mehrzahl der englischen Premierminister stellte, an ständig verstopfte Toiletten, an das vermutlich gerechteste Gesundheitssystem der Welt, den NHS und an eine nicht gendernde und dadurch nicht-sexistische Sprache (eine Überraschung für mich persönlich). Natürlich denkt sie vor- und trotz allem an Menschen und ein universitäres System, das für Wissensvermittlung brennt und von seinen Studierenden eigenes Denken verlangt.
Dear Oxbridge ist, nicht nur dem Untertitel nach, ein Liebesbrief an England. Er beginnt mit der selbst-enttäuschten Anekdote, dass die Autorin zu ihren Gunsten auf den Brexit gewettet und leider gewonnen hat, denn mit dem Brexit fällt das Pfund. Das bedeutet für sie: Ihre in sieben Jahren „hart erarbeiteten“ Studienschulden schrumpfen dadurch zu einem überschaubaren Sümmchen. Doch die Freude über diesen finanziellen Bonus währt nicht lange. Die Betroffenheit über das Brexit-Votum hinterlässt, um in der Sprache der Liebe zu bleiben, ein gebrochenes Herz. Es ist ein Liebesbrief, der jeden Briten-Liebhaber mit Freude an Pollatscheks Erzählungen über das Land der stiff upper lip teilhaben lässt. Es werden sonst verschlossene Türen geöffnet und Einblicke in das Leben der Elite gewährt, die manchmal haarsträubend sind. Diese lassen das Ergebnis des Votums besser verstehen und, trotz aller Wut und Enttäuschung, den Briten dennoch wohlgesinnt bleiben. In diesem Sinne, Cheers! (C. Bellaire)



