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Buchtipps

Jetzt im Taschenbuch! Kalmann ist ein liebenswerter, kognitiv beeinträchtiger Mann von 34 Jahren, der in der Dorfgemeinschaft von Raufarhöfn, einem kleinen Ort im Norden Islands, gut aufgehoben ist. Er hat sich selbst zum Sheriff erklärt, hat er doch von seinem seit der Kindheit abwesenden Vater immerhin einen Cowboyhut, Sheriffstern und Gewehr aus den fernen USA geschickt bekommen.

Jetzt im Taschenbuch! Wir erfahren wie die Protagonistin und ihr Zwillingsbruder in Ostdeutschland als Kinder einer Punkerin und einem angolanischen Vater geboren werden. Auch wenn man es vermuten könnte handelt es sich nicht um ein autobiografisches Buch. Olivia Wenzel sagt, dass sie vieles so ähnlich erlebt hat und Erlebnisse aus ihrem Freundeskreis zusammengetragen hat, „in einer düstereren Variante  von sich selbst,  die  sie  im  Alltag  nicht  aushalten könnte, zu sein“. Zu ihrem Alltag gehört auch Angst vor rassistischer Gewalt, die ihre Gedankenwelt mitprägt.

Wir haben hier einige Buchtipps von Autorinnen uns Autoren zusammengestellt, die vielleicht die Möglichkeit geben Hintergründe, Entwicklungen zu verstehen.

Bettina Flitner erzählt von der schwierigen Familienkonstellation, in der sie und ihre Schwester aufgewachsen sind. Geprägt ist die Familie  vom Erscheinen der schwarzen Raben, die einen Depressionsschub der Mutter ankündigen. Mit eindrucksvoller, klarer Sprache beschreibt Flitner prägende Momente mit der Schwester. Lesenswert! (A.Mantwill)

„Der König ist tot, es lebe die Königin“, scheppert es aus den Radios in Tiger Bay, dem Hafenviertel der walisischen Hauptstadt Cardiff. Wir befinden uns also im Jahre 1952, und zwar in Berlin ́s Milk Bar, dem Treffpunkt somalischer Einwanderer, in die sich tagsüber auch schon die ersten schwarzpullovrigen Studenten verirren. Mohamed erzählt die wahre Geschichte Mahmood Matifs, somalischer Seemann und Heizer, der schon seit Jahren kein Schiff mehr betreten hat, mit Frau und drei kleinen Söhnen in diesem Viertel lebt – und Opfer eines Justizirrtums werden wird.

In Heaven begegnen wir zwei japanischen Teenagern, die zur „selben Sorte gehören“ wie es das Mädchen Kojima in einem Brief an den namenlosen Protagonisten schreibt. Sie sind Außenseiter, werden von ihren Mitschülern gemobbt und haben keine Freunde – bis zwischen beiden eine zarte Freundschaft entsteht. Ihr Leben ist eintönig und geprägt von der Brutalität, die sie in der Schule erfahren: sie werden eingesperrt, müssen Kreide essen und werden geschlagen. Diese Szenen beschreibt Kawakami in einer sehr nüchternen, unbeteiligten Sprache.

Ein Polizist, zwei Tote, Polar-Verlag. Drei gute Gründe, diesen Roman in der Krimirubrik zu erwarten. Doch Dessaint ist in erster Linie Erzähler sozialer Verhältnisse, der Polizist verliebt, der Tod Unfall und Ausweg und der Polar Verlag bekannt für genresprengende Literatur. ´Verlorener Horizont´ist ein berührender Roman Noir über drei Außenseiter der Gesellschaft.

Die knappe präzise Sprache hat mich von Anfang an in den Roman hineingezogen und fasziniert. Kunstvoll entwickelt Hermann Bilder und Szenerien, oft reichen wenige Sätze zur Ausgestaltung. Die Icherzählerin - Ende vierzig - lebt alleine in einem Haus am Meer. Sie hat ihr früheres Leben hinter sich gelassen. Sie fasst es so zusammen: „Ich habe Otis getroffen, wir haben geheiratet und eine Tochter bekommen, Ann. Ann ist groß, und Otis und ich sind auseinandergegangen. Seit fast einem Jahr lebe ich auf dem Land, an der östlichen Küste und in der Nähe meines Bruders.“

„Wenn ich die Erfahrung nicht im Detail erzähle, trage ich dazu bei, die Lebenswirklichkeit  von Frauen zu verschleiern“ schreibt Annie Ernaux. Ja! Und zum Glück hat sie alles  aufgeschrieben. Sie wurde als junge Studentin ungewollt schwanger und berichtet in  diesem autobiografischen Roman mit eindringlicher Genauigkeit von ihrem illegalen Schwangerschaftsabbruch bei einer „Engelmacherin“ in den 60er Jahren. Schicht für Schicht legt Ernaux das Ereignis frei.

Ash ist ein weißer, heterosexueller Junge aus der Mittelschicht. Er hält sich selbst für einen guten Kerl, aber nicht gerade für das Zentrum des Universums. Bis er eines Tages in eine andere Dimension katapultiert wird, in der er genau das ist – das Zentrum des Universums! Damit verfügt ausgerechnet Ash nun über die Macht, die Welt zu verändern. Doch dann geht irgendetwas schief, und Ash führt – aus Versehen – die Rassentrennung wieder ein. Natürlich will er das wieder geradebiegen, aber Vorsicht: Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, alles falsch zu machen.