Mikita Franko: Die Lüge
Der Protagonist Mikita ist fünf Jahre alt als er seine Mutter verliert. Er wächst bei seinem Onkel Slawa und dessen Lebenspartner Lew in Russland auf. Mikita erlebt eine fröhliche und glückliche Kindheit mit seinen beiden Vätern, die jedoch jäh mit seiner Einschulung unterbrochen wird. Von nun an diktiert das Lügen und ein endloses Versteckspiel seine Tage. Mikita darf nichts von seinem Leben und seinen beiden Vätern preisgeben, zu groß ist die Angst, dass die kleine Familie entzweit und bestraft werden könnte. Bei Besuchen von Schulfreund*innen verschwinden Lews Fotos von den Wänden, Mikitas Schulaufsätze über seine Familie werden frei erfunden und er verschließt sich immer mehr vor seinen Klassenkamerad*innen und der Welt. Und dann muss Mikita auch noch feststellen, dass er selbst dabei ist sich in einen Jungen zu verlieben. Ist er am Ende der Beweis für die Propaganda, die in Russland betrieben wird?
Der junge Autor Mikita Franko vermischt in seinem großartigen und emotionalen Roman Fiktion und einen Teil seiner Realität. In klaren und mitreißenden Sätzen erzählt er eine Geschichte, die noch lange nachhallt und einen nur immer wieder den Kopf schütteln lässt. Wie kann es sein, dass sich im 21ten Jahrhundert noch immer Menschen verstecken müssen, ihre Liebe und wahre Identität verheimlichen, um nicht verfolgt, bestraft und ausgeschlossen zu werden?
Ein intelligenter und schnörkelloser Roman, der seine Leser*innen ins Herz trifft und mir unglaublich gut gefallen hat. Ich mochte den authentischen Sound, den der Autor gefunden hat und finde es ist ein wichtiges Buch, das den Zeitgeist trifft und sicher vielen Leser*innen helfen kann, ihre Stimme zu finden und laut zu werden. (J. Oeser)



