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Frenemies

Antisemitismus und Rassismus sind beides menschenfeindliche Ideologien, die bekämpft werden müssen. Antiantisemit*innen und Antirassist*innen verfolgen sehr ähnliche Ziele. Klingt eigentlich einfach. Doch so einfach ist es nicht, denn in der Praxis kommt es immer wieder zu wechselseitigen Anfeindungen und zu so großen Divergenzen, dass Allianzen unter den verschiedenen Kritiker*innen oft sehr schwierig sind. Ich muss gestehen: Ich bin verwirrt. Vielleicht, weil mir historisch-gesellschaftlich-politische Entstehungsprozesse und Verflechtungen nicht klar (genug) sind. Ich bin verwirrt, weil ich oft nicht weiß, wie ich mich in aktuell geführten Debatten positionieren soll. Zuletzt in Bezug auf die Antisemitismus-Vorwürfe gegen das indonesische Kuratoren-Kollektiv der diesjährigen Kunstausstellung documenta, Ruangrupa. Es wies die Kritik, antisemitische Inhalte zu propagieren, früh als „rassistisch“ ab. Diskussion beendet. Wie aber im Dialog bleiben? Frenemies, zusammengesetzt aus den englischen Wörtern für  Freund- und Feindschaften, versammelt verschiedene Stimmen aus einer breiten Autorenschaft: in Form eines FAQ beantworten Forscher*innen, Bildungspraktiker*innen und Aktivist*innen vermeintlich (!) naive Fragen, wie etwa „Was unterscheidet Antisemitismus und Rassismus? Ist BDS antisemitisch?“ oder „Können Linke rassistisch sein?“. Zudem bietet der Sammelband eine historische Einbettung in die Debatte, sucht nach Gemeinsamkeiten, ohne dabei Unvereinbarkeiten und Selbstansprüche der Rassismus- und Antisemitismuskritik weichzuspülen. Ich bin immer noch ziemlich verwirrt. Und doch möchte ich dieses Buch allen verwirrten Menschen wie mir empfehlen, denn indem es das Problemfeld aus vielen verschiedenen, ja teils kontroversen Perspektiven umkreist, eröffnet es Raum für den so nötigen Diskurs. Know your frenemy! (L.Osch)

Antisemitismus, Rassismus und ihre Kritiker
Einband: Paperback
EAN: 9783957325389
20,00 €inkl. MwSt.

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Kategorie: Sachbuch