Verena Kessler: Eva
"Eva" ist der zweite Roman der in Leipzig lebenden Autorin Verena Kessler. War ihr erster Roman Die Gespenster von Demmin vor allem ein Blick auf unsere Geschichte und in die Vergangenheit, spielt ihr neues Buch in der Gegenwart und nimmt sich besonders zweier Themen an, der Mutterschaft und dem Klimawandel.
Eva Lohaus ist Lehrerin und polarisiert mit ihrer Aussage man solle „auf Kinder verzichten um den Planeten zu retten“. Sie verliert durch ihren Aktivismus ihren Job und wird angefeindet. Eva trifft auf Sina, eine junge Journalistin, die sie interviewt und durch einen reißerischen Titel noch zusätzlich Öl ins Feuer gießt. Sina selbst ist in einer scheinbar glücklichen Beziehung und versucht schwanger zu werden. Es klappt nicht, ein Kind ist nicht auf dem Weg und Stress und Unzufriedenheit ziehen in ihre Beziehung ein. Sinas Schwester Mona ist Mutter und vermisst das Gefühl vollkommen aufzugehen in dieser Rolle. Immer wieder stellt sie sich die Frage, wie es wäre hätte sie niemals Kinder bekommen. Und dann taucht gegen Ende des Romans eine vierte Person auf, Monas Nachbarin, die den Blick aufs Muttersein noch einmal ganz neu lenkt. Vier Lebensrealitäten treffen aufeinander, alle bestimmt von dieser einen Frage nach dem Sinn des Kinderkriegens im Angesicht der Klimakatastrophe.
Einfache und richtige Antworten gibt es auf diese Fragen nicht und das weiß auch Verena Kessler. Somit schlägt sich die Autorin nicht auf eine Seite und lässt Spielraum für Diskussionen und eigene Gedanken. Nahbare Charaktere, flüssiger Schreibstil, eine unaufgeregte und dennoch spannende und einnehmende Geschichte mit feinem Witz und ohne jegliches Urteil. Große Leseempfehlung von mir. (J. Oeser)



