Terézia Mora: Muna oder Die Hälfte des Lebens
Muna lernt Magnus kennen als sie gerade einmal 17 Jahre alt ist und ein Praktikum bei einem Magazin macht. Magnus ist Lehrer und Fotograf, viele Jahre älter und abweisend und unterkühlt. Muna verliebt sich in ihn und macht ihn schnell zu ihrer Obsession und großen Liebe. Sie schlafen miteinander und kurz darauf, mit dem Mauerfall, verschwindet Magnus spurlos. Muna wird erwachsen, studiert, probiert sich in verschiedenen Jobs aus, geht Beziehungen ein und verlässt sie wieder und zieht von Stadt zu Stadt. Erst sieben Jahre später begegnet sie Magnus erneut und kommt mit ihm zusammen. Eine Beziehung voller psychischer und physischer Gewalt beginnt für Muna und doch bleibt dieser Mann ihre einzig große Liebe und die Abhängigkeit zu ihm wird von Tag zu Tag größer.
Vollkommen zu Recht stand dieses Buch auf der Shortlist für den deutschen Buchpreis 2023, wie ich finde. Terézia Mora, die ihren Roman aus der Ich-Perspektive schreibt, ist ein schonungsloses Buch gelungen, das seine Leser*innen fragend und fassungslos zurücklässt. Wie kann eine so kluge und lebenshungrige Frau in eine so tiefe und schmerzvolle Abhängigkeit zu einem Mann geraten und die Kontrolle über sich und ihr Leben verlieren? Und was für eine Rolle spielt ihre Kindheit und Jugend bei all dem? Als Leser*in bekommt man Einblicke in Munas Gedankenwelt, unausgesprochene und verloren gegangene Worte, und fühlt sich der Ich-Erzählerin so besonders nahe.
Mit sprachlichem Talent und schnörkelloser Direktheit hat mich diese Geschichte in ihren Bann gezogen und bis zum Schluss nicht losgelassen. Große Leseempfehlung! (J. Oeser)



