Juli Zeh: Unterleuten

Unterleuten – ein imaginäres 200­ Seelen­Dorf in Brandenburg, nahe Berlin. Ein Mikrokosmos, in dem Großstadtaussteiger auf Alteingesessene treffen. Die einen suchen das ländliche Idyll, die Ruhe und Ein­fachheit, die unberührte Natur. Die anderen, Wende­gewinner und ­verlierer sind daran gewöhnt, alles selbst in die Hand zu nehmen und unter sich zu re­geln, nichts vom Staat zu erwarten.
Als eine Investmentfirma in unmittelbarer Dorf­nähe einen Windpark bauen will, brechen die alten, unterdrückten Streitigkeiten wieder auf und die Illu­sion des ungestörten Landlebens gerät ins Wanken. Die Zugezogenen wollen mitmischen, verstricken sich aber recht ahnungslos im herrschenden Beziehungs­geflecht. Jeder kämpft für sich und glaubt im Recht zu sein – von Loyalität und Zusammenhalt keine Spur.
Die ständig wechselnde Erzählperspektive lässt den Leser die Handlung aus unterschiedlichen per­sönlichen Wirklichkeiten betrachten. Auf allen Seiten werden die eigenen Interessen gnadenlos durchge­setzt. Die Lage eskaliert immer mehr, das Idyll wird zur Hölle. Am Schluss kann niemand mehr begreifen, wie banal der ursprüngliche Anlass dafür war.
Spannend wie ein Thriller liest sich diese oft gro­tesk anmutende Gesellschaftsanalyse. Präzise se­ziert Juli Zeh die Werte unserer Gesellschaft anhanddieses kleinen Dorfes, das doch eigentlich so sympa­thisch sein könnte. (I. Fugmann)


Bibliographie
Tipp
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Unterleuten
Juli Zeh
Unterleuten
Roman
EAN: 978-3-630-87487-6
Der große Gesellschaftsroman von Juli Zeh Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist Mit Unterleuten hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich hochspannend wie ein Thriller liest. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?

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Kategorie
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