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Jessica Au: Kalt genug für Schnee

In ihrem zweiten, sehr stillen, poetischen Roman erzählt Jessica Au von einer Mutter-Tochter Reise durch Japan. Die Mutter, einst nach Australien ausgewandert, um dann, als ihre beiden Töchter erwachsen waren wieder zurück nach China zu ziehen, reist aus Hongkong an; die Tochter aus Melbourne. Letztere hat alles akribisch genau geplant und ein volles Programm erstellt: sie besuchen Museen und Galerien, besichtigen Tempelgärten, dazwischen kehren sie in Garküchen und Restaurants ein. Doch die Mutter ist schnell erschöpft, die Gespräche bleiben eher oberflächlich und nichtssagend, und die Begeisterung der Tochter für Kunst und Alltagskultur will sich nicht übertragen. Die beiden Frauen sind sich eigentlich fremd und so ist diese gemeinsame Reise auch eine Suche nach Nähe und Vertrautheit. Eine Vertrautheit die sich nicht so recht einstellen will. Im
Gegenteil: die Mutter erscheint der jungen Ich-Erzählerin zunehmend unbeteiligt. Dieses Gefühl schwingt beim Lesen unterschwellig mit, ausgesprochen wird wenig.
Jessica Au hält sich an das Wahrnehmbare, beschreibt Gerüche, Farben, die Muster der Teeschalen und die Schönheit der Stoffe. Denn auch für die Erzählerin sind Auge, Ohr und Nase das, was sie mit der Welt verbindet. Es geht ihr weniger darum, diese Welt zu verstehen, als sie wahrzunehmen und (mit ihrer Nikon-Kamera) festzuhalten. Die konkreten Lebensgeschichten der beiden Reisenden werden nur angedeutet, Erinnerungen bleiben vage – denn wie und woran erinnern wir uns, wenn wir auf das eigene Leben und das unserer Eltern und Geschwister zurückblicken? (L.Osch)

Roman
Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783518430736
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Kategorie: Belletristik