Jarka Kubsova: Marschlande

Mit ihrem Roman Marschlande entführt Jarka Kubsova die Leser*innen in die herbstliche Ödnis des Hamburger Marschlandes. Die Kargheit der Landschaft schildert sie dabei so eindrücklich, dass man den rauen Wind des Nordens im Gesicht zu spüren meint und man sich als LeserIn die Decke bis unter das Kinn ziehen möchte.
Auch Protagonistin Britta kann der spröden Natur nur wenig abgewinnen. Gerade ist sie mit Mann und Kindern in die unwirtliche Gegend der Marschlande gezogen und das Gefühl von Fremdheit und Isolation macht sich zunehmend in ihr breit. Anstatt sich dem Ausräumen der Umzugskisten zu widmen und sich im neuen Domizil häuslich einzurichten, begibt sich Britta lieber auf Streifzüge durch die Deichlandschaften und stößt dabei auf die Geschichte der früheren Dorfbewohnerin Abelke Bleken, die 500 Jahre zuvor der Hexerei beschuldigt und verbrannt wurde. Britta fängt Feuer an dieser Geschichte und stellt Nachforschungen über die Lebensrealität von Abelke an. Dass dies nicht nur mit bloßem Interesse, sondern auch mit einer gewissen Realitätsflucht der Protagonistin zu erklären ist, zeigt sich im Laufe der Geschichte. Je mehr Britta über die emanzipierte Abelke und deren Schicksal erfährt, desto mehr stellt sie ihr eigenes Leben infrage. In diesem Sinne rollt Jarka Kubsova hier nicht nur die Geschehnisse um die reale Person der Marschbäuerin Abelke Bleken in ein neues Licht, sondern beschreibt auch den Weg der Protagonistin und deren zunehmendes Streben nach Selbstbestimmung. (N.Schwuchow)

 


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