Fatima Daas: Die jüngste Tochter

In Frankreich wurde der 2020 erschienene Debütroman (La petite dernière) als sprachgewaltige Geschichte weiblicher Selbstermächtigung gefeiert. Nun kann man Fatima Daas‘ Buch auch auf Deutsch lesen und sich von der Sogkraft der kurzen, eindringlichen Sätze mitreißen lassen. Jedes einzelne Kapitel fängt mit den Worten Ich heiße Fatima (Daas) an; ein Roman in Form einer sehr langen Anapher. Fatima trägt den Namen der jüngsten Tochter des Propheten Mohammed. „Einen Namen, den man ehren muss. Einen Namen, den man nicht „beschmutzen“ darf.“ Sie ist gläubige und praktizierende Muslimin, sie liebt ihren Gott und Frauen. Fatima ist lesbisch. Sie ist die Nachzüglerin und die einzige, die nicht in Algerien, sondern in Frankreich geboren wurde. Fatima ist Französin. Sie lebt mit ihrer Familie in der Pariser Vorstadt Clichy-sous-Bois und studiert an der Universität in Paris. Fatima verbringt täglich drei Stunden in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Kurz: sie befindet sich in jeglicher Hinsicht immer „dazwischen“. Sie gehört nirgendwo ganz dazu und weigert sich, sich von irgendeiner dieser Identitäten zu entfernen! Wie also mit dieser Zerrissenheit leben? Fatima Daas trägt - als Pseudonym - den gleichen Namen wie ihre fiktionale (!) Doppelgängerin und bezeichnet sich selber als intersektionelle Feministin. Auf der Suche nach einem Feminismus, der sie sowohl als Muslimin, wie auch als queere Frau akzeptiert. Dieser Roman liest sich Dank der kurzen Sätze sehr leicht und hat mich doch nachhaltig beeindruckt und ich empfehle uneingeschränkt jeder und jedem ihn zu lesen! (Lis Köhl)

Daas, Fatima
Claassen Verlag
ISBN/EAN: 9783546100243
20,00 € (inkl. MwSt.)