Eva Strasser: Wildhof
Nach Lola Randls Psychotrip Angsttier ist der Wildhof der zweite anti-idyllische Dorfroman meiner persönlichen Lektürereise in Sachen ,wo-komm-ich-her, wo-will-ich-hin‘.
Und was für eine Kraft von Eva Strassers Protagonistin ausgeht, die gleich mal, den Haustürschlüssel vergessend, ein Fenster einschlägt.
Dieses gehört zum ihr vererbten Haus der beim Verkehrsunfall umgekommenen Eltern.
Und Lina ist nicht nur in dieser Hinsicht eine zupackende Frau, vielleicht manches mal zu sehr, denn eine Bewährungsstrafe sitzt ihr im Nacken, und als sie einen allzu rücksichtslosen Mountainbiker im nun wieder heimischen Wald einfach mal umhaut, kann das nichts Gutes verheißen.
Aber die Rückkehr, das Herkunftsmotiv, ist nicht nur mit Katastrophen gespickt. Es gibt neben den nie-weggekommenen Frustrierten auch die zufrieden dörflich Gebliebenen, die Lina mit offenen Armen empfangen.
Und Hilfe ist gefragt, ein Elternhaus zu verkaufen, eine Beerdigung zu organisieren – und der Kampf mit den inneren Dämonen auszutragen.
Der bemooste Ball im Vorgarten, ein überwuchertes Hundegrab, Lina wollte nur kurz bleiben, doch wie sie aufräumt und ausmistet, kehren auch auf unheimliche, besitzergreifende Weise die Bilder der Vergangenheit wieder.
Zu lange auch überwuchert die Erinnerung an die verlorene Schwester Luise, die eines Tages verschwand und nie mehr wiederkehrte. Mit Entschlossenheit pflügt sie sich durch das Schweigen
des Dorfes und beschert den Lesenden einen wahrhaft anti-idyllischen Showdown. (F. Peters)



