Anne Tyler: Der Sinn des Ganzen
Micah Mortimer, ein Durchschnittstyp mit leichtem Hang zur Zwanghaftigkeit. Er lebt in einer kleinen Souterrain-Wohnung, arbeitet vormittags als selbständiger Computerspezialist, nachmittags geht er seiner Tätigkeit als Hausmeister nach. Ich finde es bemerkenswert, wie es Anne Tyler gelingt das Interesse des Lesers für diesen doch eigentlich langweiligen, bürgerlichen Mann zu wecken. Vielleicht, weil sie ihm einen liebevoll empathischen Blick auf Micah eröffnet. Vielleicht weil sie es schafft, trotz sehr unaufgeregter, klarer Sprache Spannung aufzubauen. Micah tut sich schwer mit zwischenmenschlichen Beziehungen, ist aber glücklich mit seiner unkomplizierten Freundin Cass liiert. Seit zwei Jahren verabreden sie sich regelmäßig zum Kochen oder Fernsehschauen, genau das richtige Maß an Nähe, zumindest für Micah. Doch dann wird an seinem geordneten Leben gerüttelt: Cass droht die Wohnungskündigung und plötzlich steht auch noch der Teenager Brink vor seiner Haustür und behauptet sein Sohn zu sein. Wird Micah die vermeintliche Kontrolle über sein pedantisch organisiertes Leben verlieren? (L.Köhl)



