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Andrea Abreu: So forsch, so furchtlos

Mit überraschender Unverblümtheit skizziert Andrea Abreu in diesem Roman die Beziehung zweier bester Freundinnen, die sich auf der Schwelle zur Pubertät befinden. Die beiden Mädchen leben auf Teneriffa und verbringen dort einen besonders heißen Sommer. Nichts mehr wünschen sie sich, als am Strand zu liegen, müssen sich aber damit abfinden, dass der Weg einfach zu weit ist und sie ihre Zeit gemeinsam im kleinen Dorf totschlagen müssen. Allzu schlimm ist das aber nicht, denn sie finden einiges, das ihnen die Langeweile vertreibt: mit Barbies spielen, heimlich zum Kanal gehen oder aber ihre eigene aufkommende Sexualität erforschen. Dabei zeigt sich, dass die Mädchenfreundschaft für die namenlose Ich-Erzählerin ganz besonders innig ist, und wir beobachten durch ihre Augen die so forsche, so furchtlose Isora. Aus dieser enormen Zuneigung und Faszination heraus und dem erwachenden sexuellen Interesse versucht die Erzählerin mit ihrer besten Freundin beim Erwachsenwerden Schritt zu halten, muss aber bald merken, dass sie dabei ihre persönlichen Grenzen erreicht.
So forsch, so furchtlos verbindet Poesie und Slang, Sinnlichkeit und Vulgärsprache. Da wird übers Kacken, Erbrechen oder Rubbeln geredet, die Oma wird „Bitch“ genannt und der Priester soll einen kleinen Schwanz haben. Auf der anderen Seite wird mit Puppen gespielt, die Schminke der Mutter benutzt, mit Isora gestritten, bei der Oma geweint und sich mit Isora vertragen. Aber genau das ist es, was den Roman so authentisch werden lässt: zwei junge Mädchen, die den Schritt von der Kindheit zur Pubertät wagen, der alles andere als leicht ist, und dabei ihre ganz eigene Sprache entwickeln. Doch nicht nur die Freundschaft ist ein dominantes Thema dieses Romans, so werden auch komplizierte Familienkonstellationen thematisiert, psychische und physische Gewalt und sexuelle Selbstbestimmung. Durch Abreus geschickten bisweilen auch vor den Kopf stoßenden Umgang mit Sprache entwickelt sich so ein tiefsinniger und doch leichter Roman, der sein Tempo der emotionalen Welt der namenlosen Ich-Erzählerin anpasst und zum In-einem-Rutsch-Durchlesen einlädt. (M. Preiss)

Roman
Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783462001754
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Kategorie: Belletristik