Adriana Altaras: Besser allein als in schlechter Gesellschaft
Als Adriana Altaras vier Jahre alt ist, muss ihre Familie aus Zagreb, dem heutigen Kroatien, fliehen. Das Mädchen wird fortan von ihrer Tante, nun zweite Mutter, im norditalienischen Mantua großgezogen. Diese würdevolle Frau, die ein Alter von 101 Jahren erreichen wird, gutes Essen und den Luxus liebt, steht dem Leben doch pragmatisch gegenüber. Sie hat immerhin die spanische Grippe, den Holocaust und ihre Schwiegermutter überlebt.
Was Adriana Altaras zu diesem Buch antrieb waren vor allem Fragen des Älterwerdens: „Wie geht man damit um, dass die Verwandten weggehen? Und dass sie so merkwürdig werden die letzten Jahre?“. Zum anderen schreibt sie gerne Holocaustgeschichten um zu erinnern: „Ich weiß nicht wie viele das freiwillig kaufen würden. Wenn man das aber gut verpackt und das keiner merkt und es ist heiter, dann kann ich meine Geschichten trotzdem loswerden.“
Das Ergebnis ist ein temporeicher, witziger, größtenteils biografischer Dialog zweier Frauen, die bis zuletzt in Kontakt bleiben. Gut tut die fürsorgliche Zuneigung, die man zwischen den Zeilen herausliest, welche die beiden Frauen füreinander empfinden. Es macht Spaß zu lesen, wie es Altaras gelingt, den ernsthaften Themen mit Leichtigkeit, schöner Melancholie und Humor zu begegnen. Ein Buch das Lust aufs Leben macht! (Henni Pfaffmann)



