Details

ISBN/EAN: 978-3-948392-32-1
Einband: gebundenes Buch
Weitere Details
Originaltitel:
L'Horizon qui nous manque
Auflage:
1. Auflage 2021
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
224 S.
Format (T/L/B):
2.2 x 20 x 14.3 cm

Hersteller:
Polar Verlag e.K.
Jürgen Ruckh
j.ruckh@polar-verlag.de
Rippoldsauer Str. 2
DE 70372 Stuttgart


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Unser Tipp für Sie

Ein Polizist, zwei Tote, Polar-Verlag. Drei gute Gründe, diesen Roman in der Krimirubrik zu erwarten.
Doch Dessaint ist in erster Linie Erzähler sozialer Verhältnisse, der Polizist verliebt, der Tod Unfall und Ausweg und der Polar Verlag bekannt für genresprengende Literatur.
´Verlorener Horizont´ist ein berührender Roman Noir über drei Außenseiter der Gesellschaft.
Lucille, die ihren Lehrerinnenjob hingeschmissen hatte, um zunächst im sogenannten Dschungel von Calais, dem Ort an dem tausende von Migranten auf ihre Ausreise nach Großbritannien hoffen, und der 2015 von der französischen Polizei verwüstet und aufgelöst worden war, zu unterrichten.
Anatole, der alte Jäger, der eher mit der Herstellung von hölzernen Vogelattrappen beschäftigt ist als mit der Jagd, seinen Alltag mit Zitaten des verehrten Schauspielers Jean Gabin meistert und manisch Rabattmarken sammelt.
Und Loik, Kleinganove und Hafenarbeiter, der eines Tages unvermittelt zu den beiden stößt auf dem Strandabschnitt, den sie ihr zuhause nennen, in alten Wohnwagen und umfunktionierter Pommes-Bude eingerichtet.
Sie erwarten nichts mehr von dieser Gesellschaft, sind Ruhesuchende, doch wie sich zeigt wird ihnen auch dieser Wunsch nicht erfüllt, auch diese zeitweise selbstgewählte Gemeinschaft aufgelöst werden wie der Dschungel, und wir sind gezwungen, die drei Protagonisten in eine teils ungewisse Zukunft zu entlassen.
Ein schmerzhafter Prozess, denn neben den faszinierenden Naturschilderungen dieses eigentlich doch sehr kargen Fleckens Erde zwischen Calais und Gravelines, den interessanten historischen Exkursen, gelingt es Dessaint durch Einsetzen Lucilles als Erzählerin uns diese drei so unterschiedlichen Menschen sehr nahe zu bringen.
So wie sie sich selbst auch nahekommen und aus anfänglichem Misstrauen wenn schon keine allzu große Harmonie entsteht, das ließe der existenzialistische Grundton dieser Erzählung zum Glück auch gar nicht zu, doch ein tief empfundener Respekt vor dem Anderen entsteht.
Eine, trotz aller Beschädigungen, die das Leben in ihnen hinterließ, und von denen wir hier auch erfahren, in den Figuren tief verwurzelte Menschlichkeit erscheint und macht diese Erzählung auch zu einer politischen. „Mit den Pflanzen lief es so wie mit den Menschen. Die Chance zum Blühen, Wachsen und Gedeihen hing sehr stark von der Umgebung ab.“
- und über allem schwebt der gute Geist von Jean Gabin als großer Darsteller kleiner Leute. Lisez! (F.Peters)

Beschreibung

Zwischen Gravelines und Calais stranden drei Menschen am Rand der Gesellschaft. Lucille, eine junge Lehrerin, die aus dem französischen Bildungssystem ausgeschieden ist, um sich den Migranten im Dschungel von Calais zu widmen, ist seit dessen Demontage desillusioniert. Auf der Suche nach einer Bleibe gelangt sie auf das Land eines einsamen Wolfs namens Anatole, der von einer mythischen Jagd träumt und Wohnwagen vermietet. Er sieht Filme von Jean Gabin und sammelt Rabattcoupons. Seine Stunden verbringt er damit, hölzerne Vögel zu basteln, die er als Lockvögel verwendet. Er fängt aber nie viel, das Träumen reicht ihm. Zwischen der jungen Frau und dem alten Mann entwickelt sich eine seltsame Beziehung, die durch Loïk gestört wird, einem unberechenbaren, zu allem entschlossenen Mann, der nicht immer auf der richtigen Seite des Gesetzes gestanden hat. Er quartiert sich in der ehemaligen Pommesbude von Anatole ein. Impulsiv. Nur sich selbst verpflichtet. Alle drei verweigern sich den Konventionen. Sie verabscheuen die strengen Regeln einer auf Normen geschraubten Gesellschaft. Ein Dreiecksverhältnis entspinnt sich, das bald schon ein Drama heraufbeschwört.

Über Pascal Dessaint

Pascal Dessaint wurde in eine Arbeiterfamilie im Norden Frankreichs geboren. Er ist einer der wichtigsten Autoren des französischen NoirRomans, der alle wichtigen Preise der Kriminalliteratur gewonnen hat. Er lebt in Toulouse.

Leseprobe

Vor einem Jahr waren nachts zwei Übeltäter in den Garten des Merlin-Hauses eingedrungen. Sie hatten die Tür des Taubenschlags aufgebrochen und sämtlichen Tauben mit bloßen Händen den Kopf abgerissen. Das Blut war in alle Richtungen gespritzt. Dutzende von Tauben zappelten noch auf der Erde herum, als Hélène die Polizei alarmiert hatte. Hélène wiedersehen. Anatole dachte an den Aufruhr, den dieses Wiedersehen in seinem Kopf auslösen würde. Was würde er ihr sagen? Nach all der Zeit konnte sie nicht mehr dieselbe Frau sein. Vielleicht wählte sie Front National. Oder es stellte sich heraus, dass sie Diabetes hatte oder sogar einen Schnurrbart. Die Übeltäter waren achtundvierzig und vierunddreißig Jahre alt. Sie hatten nicht getrunken. Sie hatten keinen Grund für ihre Tat. Es gibt eben Männer, bei denen Dummheit die Oberhand behält. Die Schlauberger hatten sich gegenseitig belastet. Trotz des vielen Blutes auf seiner Kleidung hatte der Jüngere behauptet, er sei nur zufällig vorbeigekommen. Sie hatten eine kurze Gefängnisstrafe bekommen und eine Geldbuße von ein paar hundert Euro.
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