Stanley Craword: Gascoyne
Gascoyne, ein skrupelloser Immobilienhai, der in seinem Auto lebt. Er isst und schläft dort und wickelt seine Geschäfte, ja sogar seine Beziehung zu Marge weitestgehend über das Autotelefon ab. Seinen alten Nash verlässt er nur im Notfall. Etwa um dem Gerücht, dass Roughah - ein ebenso geldgieriger Geschäftsmann - erschossen wurde, auf den Grund zu gehen. Am Tatort seilt sich ein Zigarette rauchendes Riesenfaultier aus dem Fenster ab. Sofort ist man in die oftmals absurde und skurrile Erzählung eingetaucht, und so erscheint es kaum noch verwunderlich, wenn wenig später ein junger Kriegsrückkehrer, dem ein Tentakel aus dem Ohr hängt, vor Gascoyne steht.
An Gascoynes Seite erlebt der Leser spannende Kampfszenen und Verfolgungsjagden, wunderbar abstruse Dialoge und schräge traumähnliche Passagen, gespickt mit groteskem Slapstick.
Die Originalausgabe erschien bereits 1966 und erscheint nun als deutsche Erstauflage. Stanley Crawford hatte in den 60er Jahren eine klare Zukunftsvision: Gascoyne spielt in einer typisch amerikanischen Stadt mit mehrspurigen Highways und 24/24 Stunden geöffneten riesigen Einkaufszentren. Und mittendrin dieser rücksichtslose Raser der sein Leben durch das Medium Telefon konsumiert. Das ist heute freilich keine Zukunftsmusik mehr, sondern Großstadtrealität.
Wer Lust auf eine urkomische Parodie auf den Kapitalismus hat, ist mit diesem abwechslungsreichen Werk bestens bedient! (L. Köhl)



