Robert Prosser: Das geplünderte Nest
Ein Künstler-, Heimat-, ein historischer Roman, all das lässt sich in der neuen Erzählung des österreichischen Autors Robert Prosser entdecken.
Aus Beirut, wo er journalistisch in Sachen Künstlerszene recherchierte, ins früher heimatliche Tiroler Hochtal zurückgekehrt, räumt der Ich-Erzähler den bereits abgereisten Saisongästen hinterher, die Skisaison ist vorüber.
Seine Gedanken kreisen noch um die Reise ins ferne Libanon, seine Bekanntschaft mit Omar, dem Glasschleifer, Rami, dem Graffitikünstler; und verschränken sich zunehmend mit seiner eigenen Biografie, denn als „Sprayer“ entkam er „mit dem ersten Strich“ der Langeweile der Tiroler Bergwelt. Nun gräbt er sich durch Familiengeschichten, erinnert sich an Lenz, den Maler, der als Kriegsversehrter Unterschlupf im Dorf gefunden, und ihn einst unter seine Fittiche genommen hatte.
Und auch ein nationalsozialistisches Zwangsarbeiterlager gab es in der schönen Tiroler Bergwelt, die wir mit ihm in Erinnerungen durchwandern und einen Großvater – der war ein Wachmann.
Nach und nach löst der Autor die Gegenwart auf, und mit ihr die Existenz des Ich-Erzählers, so, als dränge es ihn, nun endlich zum titelgebenden Thema des Romans zu kommen.
Das Nest nämlich ist ein hoch oben in den Bergen verborgener Winkel, in dem sich Deserteure der Wehrmacht versteckt halten. Von diesem Kapitel der dörflichen Geschichte erfährt auch der Ich-Erzähler erst durch einen zugereisten Historiker, und fortan befinden wir uns lesend mittendrin in den letzten Kriegsjahren – in einer mitreißenden Geschichte um Flucht und Verrat, Solidarität und Widerstand. (F. Peters)



