Yves Ravey: Die Abfindung
Vielleicht sollte man dieses Buch doch eher in der wärmeren Jahreszeit lesen, denn es beschert einem einen sehr frösteligen Nachmittag.
Jean Seghers ist ganz schön in der Bredouille, die Tankstelle, die er mit seiner Frau Remedios an einer elsässischen route nationale betreibt (während er doch von einer richtig großen Anlage im Süden, an der autoroute du soleil träumte), ist in Insolvenz geraten. Sie betrügt ihn, mit wem, ist ihm nicht gleich klar, und dann wird er eines Mordes verdächtigt.
Es geht um diesen Ehebruch (im französischen Original heißt der Roman dann auch „Adultère“) und eine nicht aufzubringende Abfindung, die den Protagonisten unausweichlich dem bösen Ende entgegentaumeln lassen.
Der Autor lässt Jean erzählen, erste Person Präsenz, chronologisch und so emotionslos, als würde er aus einem Telefonbuch vorlesen. „Kalt“ ist nun mal die Temperatur eines roman noir, und dieser spannungsvolle kleine Krimi mutet in seiner radikalen Reduziertheit manchesmal an wie eine Fingerübung – eine sehr gelungene.
Am Ende stehen die zerstörten Träume eines Kleinbürgers, doch mit erstaunlichem Ausgang, der uns kleine Intrigen großer Verkommenheit recht rücksichtslos vor Augen führt, und ihn verblüfft zurücklässt. (F. Peters)



