Vea Kaiser: Makarionissi oder Die Insel der Seligen

Geben Sie, geschätzte Leser, dem Fabulieren eine Chance! Diesem Satz, den die junge Autorin ihrem zweiten Roman voranstellt, möchte ich mich aus ganzem Herzen anschließen. Vea Kaiser mag nicht die perfekte Stilistin sein, aber erzählen kann sie, dass es eine wahre Freude ist.
Blasmusikpop hieß ihr gefeiertes Debut und ein kleines Alpendorf war Schauplatz der opulenten Handlung. In Makarionissi nimmt uns die Autorin mit nach Griechenland in ein kleines Dorf an der griechisch-albanischen Grenze, wo die grantige Großmutter Maria den Grundstein legt für eine turbulente Geschichte. Sie hat es sich und ihrer Familie in den Kopf gesetzt, ihren Enkel Lefti mit seiner Cousine Eleni zu verheiraten, um das Familienerbe zu sichern. Doch offensichtlich hat sie ein Omen falsch gedeutet, denn Eleni weigert sich standhaft, Marias Pläne zu verwirklichen.  Schon als Kind träumt sie davon, eine Heldin zu werden und mit ihrer eigenwilligen Art sorgt sie im Dorf und der Familie für Wirbel.
Als Eleni zur Zeit der Militärjunta inhaftiert wird, scheint der Plan der Großmutter doch noch aufzugehen. Um der Haft zu entkommen heiratet Eleni ihren Cousin und die beiden gehen als Gastarbeiter nach Hildesheim, wo eines neues Kapitel der Geschichte beginnt. Lefti verliebt sich in seine Deutschlehrerin, Eleni folgt einem bayrischen Liedermacher doch die beiden sind längst nicht am Ende ihrer Odysee angelangt…
Vier Generationen einer griechischen Familie folgt Kaiser in ihrem facettenreichen Roman und ich habe die Wendungen ihrer tragisch-komischen Geschichte sehr genossen. Die Erfindungsgabe dieser Autorin ist erstaunlich, zwischen Lachen und Weinen hält sie die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht. Vea Kaiser ist eine Bereicherung für die deutschsprachige Literatur und ich kann nur hoffen, dass ihr der Stoff zum Fabulieren noch lange nicht ausgeht. (P.Philippi)

Kaiser, Vea
Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co KG
ISBN/EAN: 9783462049282
12,00 € (inkl. MwSt.)