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Sofi Oksanen: Hundepark

Als am 10. April im Weltspiegel ein Beitrag ausgestrahlt wird über Leihmütter-Babys, die in Kiew wegen des Krieges in Kellern versorgt werden müssen, da sie von ihren Eltern nicht abgeholt werden können, bin ich bestürzt. Bin ich doch gerade mitten in der Lektüre von Hundepark. Dass die Lektüre so reale Hintergründe hat! Der Krieg bringt es nur auf tragischste Weise ans Licht: Leihmutterschaft in der Ukraine! Genau darum geht es im Roman: um die Fruchtbarkeitsindustrie, deren Hotspot laut Sofie Oksanen eben die Ukraine ist. Reiche kinderlose Oberschichtfrauen, überwiegend aus dem Westen, erfüllen sich auf Kosten ärmerer, in materieller Not lebender Frauen aus dem Osten, ihren Kinderwunsch mit Eizellenspenden und/oder Leihmüttern. Schon die ersten Seiten ziehen die Leser*innen hinein in die Geschichte, die Olenka uns erzählt.

Wir lernen sie 2016 als Reinigungskraft in Helsinki kennen. Schnell wird klar, sie hat vorher in Wohlstand gelebt, aber alles verloren. Und muss jetzt sogar um ihr Leben fürchten. Wie kam es dazu? Olenka wächst in Tallin, Estland, auf, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bringt der Vater die Familie (zurück) ins Donezbecken. Olenka gerät in die Mühlen der Fruchtbarkeitsmafia, als geschickte Anwerberin steigt sie bald schnell auf. Sie verstrickt sich in Intrigen, Verrat, lädt Schuld auf sich und ist doch gleichzeitig auch Opfer. Hundepark ist ein mitreißender, spannend komponierter und emotional packender Roman, den ich kaum aus den Händen legen konnte, es sei denn um mal durchzuatmen angesichts der komplexen Geschehnisse und Informationen, die die Autorin vermittelt, der aufgeblätterten geschichtlichen, sozialen Entwicklungen in der Ukraine, ja in großen Teilen des „Ostblocks“.
Eine besondere Brisanz hat Hundepark - schon 2019 in Finnland erschienen - leider durch die aktuelle Kriegssituation bekommen. Eine unbedingte Leseempfehlung! (A. Mantwill)

Roman
Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783462000115
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Kategorie: Belletristik