Reinhard Kaiser-Mühlecker: Wilderer
Ein alter Hof neben der Autobahn, ein paar Schweine und Felder – dazwischen versucht Jacob sich durchzuschlagen und den Hof vor dem Niedergang zu bewahren. Den eigenen Vater muss er davon abhalten auch noch das letzte Stück Land der Familie für eine seiner verrückten Investitionen zu verkaufen.
Dann trifft er Katja, eine junge Kunststudentin, die für ein Stipendium auf dem Land arbeitet und alles ändert sich. Die aus vollkommen unterschiedlichen Lebenswelten stammenden, jungen Menschen verlieben sich und er scheint das Glück gefunden zu haben. Gemeinsam bauen sie eine biologische Tierhaltung auf, sie heiraten und bekommen einen Sohn. Doch Jakob findet keine Ruhe, sein grausamer Zorn bricht immer wieder hervor. Hat Katja ihn getäuscht, hat sie nur mal einen wie ihn haben wollen, einen Bauern? Können sie es als Biolandwirte langfristig schaffen? Will er dieses Leben wirklich?
Die Romanhandlung um Jakob ist eigentlich unspektakulär, aber es gibt eine unterschwellige, innere Dramatik, die an den Text fesselt. Der österreichische Schriftsteller Reinhard Kaiser-Mühlecker arbeitet mit den Leerstellen und Selbstverständlichkeiten des Landlebens. Die Natur agiert als stille Teilhaberin, die Bauern kommen und gehen sieht. Es liegt eine grausame Gleichgültigkeit darin, aber auch eine eigenwillige Schönheit. Carsten Otte schreibt treffend für den SWR: Wilderer „beeindruckt durch eine Ästhetik des Kargen und eine Komik der Hoffnungslosigkeit“. Kaiser-Mühleckers Roman ist ein Glanzstück der zeitgenössischen Land- und Dorfliteratur. (V. Panter)



