Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben

Der angenehme Grusel eines Chabrol-Films stellt sich ein, wenn Lemaitre die französische Provinz beschreibt. Was da unter der Oberfläche so gurgelt und strudelt, Menschen aneinander gekettet, das beschreibt er in seinem dem Prix Goncourt nachfolgenden Roman Drei Tage und ein Leben.
Und er tut dies mit kriminellem Spannungsbogen, ein Kind verschwindet, mehr darf hier nicht verraten werden, und bleibt verschwunden, also gut soviel doch.
Mit meteorologischer Präzision, — auch hierzulande erinnert man sich an den Orkan mit dem hübschen Namen Lothar, der die Höhen des Hochwalds fast baumlos zurückließ — lässt Lemaitre seinen Bericht beginnen, um doch gleich ins apokalyptische Fach zu wechseln.
Er breitet ein in jeder Hinsicht beeindruckendes Untergangsszenario vor uns aus, dessen Fortgang wir im Scheitern der spätkapitalistischen Dorfgemeinschaft und des alle Spuren und Ordnungen vernichtenden Jahrhundertsturms gespannt verfolgen. Und tatsächlich gelingt es Lemaitre, die Kurve zu kriegen ins Seriös-Schicksalhafte. So dämmert dann auch der gefesselten Leserschaft die Bedeutung des (ganz korrekt übersetzten) Titels, das Leben, ein Roman.
Überraschend, spannend, lesenswert. (F. Peters)

Lemaitre, Pierre
Klett-Cotta
ISBN/EAN: 9783608981063
20,00 €
Kategorie:
Belletristik