Nele Pollatschek: Kleine Probleme
Dreizehn Kleine Probleme hat der Protagonist Lars, neunundvierzigjähriger Familienvater und (ewig) angehender Schriftsteller, lange erfolgreich verdrängt. Eigentlich wollte er die Abwesenheit seiner Frau und Kinder nutzen um seine To-Do-Liste abzuarbeiten, doch als der letzte Tag des Jahres anbricht, ist noch nichts abgehakt. Lars verfällt in einen verzweifelten Aktionismus; wir Leser*innen steigen in die Geschichte ein und begleiten ihn auf seinem wahnwitzigen Wettlauf gegen die Zeit. Banale Erledigungen wie Steuererklärung, Bett für die Tochter zusammenschrauben, aber auch Vorhaben wie mit dem Rauchen aufhören und Lebenswerk schreiben, stehen auf seiner Liste.
Pollatschek hat einen äußerst unterhaltsamen und humorvollen Roman über die Hürden des Alltags geschrieben, und beim Lesen dachte ich mehrfach zustimmend „Ja, Mensch. Es ist aber auch echt schwer, einfach nur zu leben“. Lars wird zwar als lebensuntüchtiger ,Normalo‘ gezeichnet,den ich oft hätte rütteln wollen und dann mich, denn wer kennt das Phänomen der Prokrastination nicht. Sie lässt ihn aber auch tiefsinnige Lebensfragen aufwerfen und so stehen seine philosophischen Abschweifungen zu zeitgenössischen Themen, wie Krieg und Klimawandel imKontrast zu den so profanen Dingen die es zu erledigen gilt.
Die oft absurde Situationskomik hat mir große Lesefreude bereitet, und wer sich jetzt fragt, obLars das schier Unmögliche schaffen wird, den frag’ ich (im Chor mit Lars), ob im Leben allesScheitern oder Gelingen ist. (L. Osch)



