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Moritz Hürtgen: Der Boulevard des Schreckens

Als Mediensatire fängt alles an, lustig verkokst, wie es eben in Wirklichkeit so zugeht in den Newsrooms von Berliner und Saarbrücker Tageszeitungen.
Ein übereifriger Praktikant wittert die Chance, im medialen Haifischbecken Karriere zu machen
und wird von Berlin aus auf die weite Reise nach München geschickt, um einen Entertainment-Star zu interviewen. Das Interview dann frei erfunden, der Star indes schon zu Tode gekommen,
sitzen ihm Redaktion und im Folgenden so manch andere skurrile Figur im Nacken, die im bayerischen Kleinstadtambiente beheimatet sind – dem auch der Autor entstammt.
Doch es erwartet die fieberhaft weiterblätternde Leserschaft kein weiterer enervierender Herkunftsroman, es wird gleich ein ganzes Dorf ausgelöscht in aufbrausenden Mystery- und Splatter-Phantasien. Großes Kino.
Schließlich endet alles in den Sümpfen, wo sonst, ein paar Menschen fliegen noch so durch die Lüfte, und ein Gedicht, was sonst,  enthüllt den Lesenden den tieferen Sinn der Geschichte, sofern er oder sie zum Ende der Geschichte hin unwahrscheinlicherweise selbst noch bei Verstand sein sollte.
Dem Autor indes, der nach Korruptionsvorwürfen soeben seinen Chefsessel beim sogenannten Satiremagazin „Titanic“ räumen musste und nach eigenen Angaben alimentiert von lebenslang üppiger Abfindung bleibt nun die Zeit, sich ganz dem Schriftstellerischen zu widmen, tja.
Eine empfehlenswerte, unterhaltsam abgefahrene Lektüre nicht nur für Pilzesser und Medienkritiker jenseits von Brecht und Welser. Ebenso grandios wie der vorangegangene Gedichtband des Autors (der auch alle buchladen-Rezensionen großzügig finanziert) Angst vor Lyrik und alle seine weiteren Bücher. Im Ernst jetzt. (F. Peters)

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Kategorie: Belletristik