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Mieko Kawakami: Heaven

In Heaven begegnen wir zwei japanischen Teenagern, die zur „selben Sorte gehören“ wie es das Mädchen Kojima in einem Brief an den namenlosen Protagonisten schreibt. Sie sind Außenseiter, werden von ihren Mitschülern gemobbt und haben keine Freunde – bis zwischen beiden eine zarte Freundschaft entsteht. Ihr Leben ist eintönig und geprägt von der Brutalität, die sie in der Schule erfahren: sie werden eingesperrt, müssen Kreide essen und werden geschlagen. Diese Szenen beschreibt Kawakami in einer sehr nüchternen, unbeteiligten Sprache. Genau das macht diese Momente so unerträglich, auch weil der Protagonist alles still erträgt: sich nicht wehrt, sich keine Hilfe sucht. Als er überraschenderweise eines Tages den Mut fasst, einen seiner Peiniger zur Rede zu stellen, glaubt und hofft man, nun werde sich die Geschichte wohl wenden... Diesen Gefallen tut uns Kawakami aber leider nicht, denn der angesprochene Momose ist wenig beeindruckt und spricht von reinem Zufall, was das Mobbing betrifft: „Es spielt keine Rolle, wer es ist. Dass es dich getroffen hat, hat sich so ergeben. Wir waren zufällig in Stimmung, und du warst zufällig da.“ Der Roman wirft Fragen auf, regt an über Opferrollen nachzudenken, er verstört und ist daher sicher keine Feel-good-Lektüre – aber er hat mich gepackt und ist trotz allem irgendwie leicht zu lesen. (C. Bellaire)

Roman
Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783832183745
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Kategorie: Belletristik