Dana Spiotta: Unberechenbar

Dana Spiotta, war da nicht...? Achja, der Roman Eat the document, wildes Widerstandsepos über Vietnamproteste, einen missglückten Anschlag auf einen Waffenhändler, das Leben im Untergrund. (eine Empfehlung)
Mit der Autorin altert nun auch ihre Protagonistin und ihr Blick auf die Welt. Sam führt ein wohlhabend-gelangweiltes Leben, vertreibt sich die Zeit mit Immobilienbesichtigungen und verliebt sich in einen heruntergekommenen Bungalow in Syracuse/New York, den sie zu kaufen und renovieren beschließt.
Was passiert, wenn das eigene Leben urplötzlich die Richtung wechselt? Das war und ist Spiottas Ausgangsfrage in all ihren Romanen. Sam jedenfalls verlässt Mann und Tochter, um in ein Neues einzutauchen. Bisher las sie in der Tageszeitung ihres Vorortidylls von kleinen Verstößen gegen amerikanische Moralgefühle, in ihrer neuen Nachbarschaft ist das Elend des Trump-Amerikas zuhause, und es geht ums Überleben.
Sam engagiert sich in einer streetworker-Gruppe, sieht sich als nicht mehr ganz so kämpferische Feministin mit den radikaleren Vorstellungen einer queer-feministischen Szene, von AnarchistInnen und UmweltschützerInnen konfrontiert. (Doch was in diesem Satz so geballt daher kommt, und das ist die Stärke des Romans: Unberechenbar ist kein Thesenpapier.)
In ihrem neuen Alltag jenseits der großbürgerlichen comfort-zone begegnet Sam ganz selbstverständlich den wirklich dringlichen Themen heutigen Lebens. Während sie so irritiert und interessiert beginnt, ein neues Leben anzunehmen, versucht sie den Kontakt zu ihrer Tochter Ally nicht ganz abbrechen zu lassen, und wird sich dabei heftig selbst in Frage stellen, hinterfragt Erziehungsmethoden und einstmals klar definierte Lebensentwürfe.
Ally ist es, die die zweite Hauptrolle zu spielen beginnt, und Spiotta erzählt in diesem Gesellschaftsroman auch sehr einfühlsam die Geschichte einer gegenwärtigen Mutter-Tochter Beziehung, vom Älter- und Alt- und Erwachsenwerden.
Mit diesem empfohlenen Roman erblickt übrigens auch ein neuer Verlag das Licht der Welt. Er soll hier gelobt werden nicht nur für seine spannende Literatur und sein ökologisches Engagement, sondern auch dafür, dass er die Übersetzer*innen da nennt, wo sie hingehören: prominent auf dem Bucheinband. (F.Peters)

 


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