Arno Frank: Seemann vom Siebener

Jetzt im Taschenbuch: Arno Frank lädt uns zu einem Besuch ins Freibad ein, an einem strahlenden Sommertag, irgendwo in der hessischen Provinz. Es werden viele Badegäste im Laufe des Tages eintrudeln, wir lernen rund ein Dutzend Menschen und deren Lebenswege näher kennen. Da ist z.B. als Urgestein der Bademeister Kiontke, der trotz eines traumatisierenden Unglücks, das irgendwie mit dem Sprungturm zu tun hat, den Badebetrieb leitet, alles im Blick hat, Regeln wie „Nicht vom Rand ins Becken springen“ mit Augenmaß durchsetzt. Ach ja, der Sprungturm. Seemann vom Siebener? Der Seemann ist ein bestimmter Sprung, möglich vom Einer, Dreier und eben auch vom Siebener.  Nur ist der Siebener seit diesem Unglück damals gesperrt. Aber darüber erfahren wir im Laufe des Romans mehr.
Dann ist da z.B. noch Lennart, der nach einem Vierteljahrhundert anlässlich der Beerdigung seines besten Freundes aus den USA zurück ist.
„Lennart sieht das Bad in seiner ganzen sonnigen Pracht vor sich liegen, die Becken, den Turm, das Grün der Wiesen. Die schlichte Seligkeit.“
Für ihn ist das Freibad ein zeitloser Ort. Ein Ort seiner Jugend, der sich kaum verändert zu haben scheint. Sogar der Kiosk ist noch unverändert, stellt Lennart fest, da hat er sich immer Eis gekauft. Und die Sorte gibt es auch noch. (Eine köstliche Szene im Roman!). Und Lennart wird an diesem Tag einige aus seiner Jugendzeit wiedersehen.
Arno Frank blättert liebevoll ein Kaleidoskop an Lebensgeschichten auf, das hat mich den Roman mit Begeisterung und Spannung lesen lassen. Das für mich Eindrücklichste an diesem Roman sind allerdings die präzise und so treffend beschriebenen Beobachtungen. Ich sitze als LeserIn quasi mit im Freibad auf der Liegewiese, und schaue mich um. Und die ebenfalls beschriebenen Gerüche und Geräusche rufen Déjà-vus hervor. Ja genau, so ist es im Schwimmbad und so war es schon vor Jahrzehnten. Die Dringlichkeit des Alltags bleibt draußen vor dem Eingang, es gibt keine Verpflichtungen, man kann einfach NICHTS tun. Oder einfach schwimmend Bahnen ziehen, oder sich auf einen Sprung vom Turm vorbereiten. Oder vor sich hinträumen, oder… (Wie schade, dass so viele Schwimmbäder wegen Unrentabilität geschlossen werden, welch ein Verlust!)
Meine unbedingte Empfehlung: lesen! Und ein bisschen Seligkeit empfinden. (A.Mantwill)

 

 


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