Julian Barnes: Vom Ende einer Geschichte

Was geht vor in einem Menschen, der mit sechzig Jahren erkennen muss, dass einige der grundlegenden Gewissheiten, auf denen sein Erwachsenendasein fußt, sich in Luft auflösen?
Tony Webster hat sich mit seinem Leben arrangiert; eine berufliche Karriere liegt hinter ihm, mit seiner Ex-Frau versteht er sich immer noch ausgezeichnet und die längst erwachsene Tochter besucht ihn ab und zu. Außer in seiner Jugend gab es wenig Aufregendes in Tonys Leben und das ist ihm ganz recht. Dass seine erste Liebe schmerzhaft in die Brüche ging und die Freundschaft zu drei ehemaligen Klassenkameraden ein jähes Ende nahm, hat er längst verwunden. Tony ist ein gefasster älterer Herr, der sich auf das Leben als alter Herr vorbereitet.
Eine unerwartete und seltsame Erbschaft konfrontiert ihn mit seiner Vergangenheit: mit seiner ersten Liebe Veronica und seinem ehemals besten Freund Adrian.
Wie Julian Barnes seinen Ich-Erzähler Tony erzählen, nachdenken, zweifeln, grübeln und begreifen lässt, das ist nichts als ganz große Literatur, für die der Autor den Man Booker Prize mehr als redlich verdient hat.  Altern und die Unzulänglichkeit der eigenen Erinnerung sind die zwei großen Themen dieser Novelle und man darf die Frage stellen, ob ein 30jähriger ähnlich berührt wird wie ein Mensch jenseits der Fünfzig. Doch Barnes stellt ganz andere Fragen in seinem Buch: was macht einen Menschen aus und welche Konsequenzen zieht er aus eingestandenen Fehlern? Nach diesem dünnen Buch sehe ich Barnes nicht nur als begnadeten Schriftsteller sondern auch als klugen und liebevollen Mann. (P. Philippi)

Barnes, Julian
btb Verlag
ISBN/EAN: 9783442745470
9,00 € (inkl. MwSt.)