Pedro Lenz: Die schöne Fanny

Olten, eine Kleinstadt am Fuß des Jura, ist die Bühne für Pedro Lenz‘ vergnügliche Geschichte um Freundschaft, Liebe, Künstler und eine Muse.  Eben dieser Muse läuft Jackpot, der Ich-Erzähler der Geschichte, über den Weg, als er zu seinem Freund Louis will, dem Kunstmaler. Dem steht die junge Fanny Modell und das ist gleich schon ein Grund zur Eifersucht für Jackpot, der sich Hals über Kopf in die Schöne verschaut hat.
Pedro Lenz, dem wir den wunderschönen Roman Der Goalie bin ich zu verdanken haben, schreibt auf Schweizerdeutsch, und sein neuer Roman kommt so vertraut daher, dass man meint, der Autor sitze einem im Café gegenüber und erzähle bei einem Kaffee mit Schuss. Seine alternden Helden wie die Kunstmaler Louis und Grunder oder die Musiker Gerri und Henry sind wahlweise Bohemiens oder Tagediebe, die es sich gut gehen lassen bei Alkohol, leckerem Essen und Gesprächen, die sich meist um Kunst und manchmal auch um Frauen wie beispielsweise Fanny drehen.
Die Künstleridylle könnte perfekt sein, doch dann muss Jackpot mit seinen Besitzansprüchen gegenüber Fanny all das aufs Spiel setzen.
Jackpot, der eigentlich Frank heißt und sich mit Sportwetten über Wasser hält, arbeitet seit Jahren an einem Roman, den er fast im Kopf hat. Wenn er den roten Faden erst gefunden hat, wird er jeden Tag vier Seiten schreiben und weil kein Roman länger als 200 Seiten sein sollte (weil das den Leser nur abschreckt), wird sein Buch bald fertig sein. Bis dahin lässt er sich von seinem gut verdienenden Bruder ab und zu aus der Patsche helfen. Immerhin bringt seine unglückliche Liebe zu Fanny  Jackpot dazu, endlich anzufangen mit dem Schreiben.
Ach ja, ich liebe es, diesem Autor zuzuhören beim Erzählen seiner kauzig-warmherzigen Geschichten um Sportwetten, kleinstädtische Vernissagen, verbummelte Sonntage, nächtliche Gespräche und Typen, von denen niemand so richtig weiß, womit sie ihr Geld verdienen. Und weil es so schön ist, verliert sich Jackpot manchmal in alten Songtexten von Jaques Brel oder Willie Nelson.
Ja, es wird auch gelitten in diesem schönen Roman doch das Leid hält sich in Grenzen und findet zu einem versöhnlichen Ende und natürlich wüsste ich am Ende gerne, wie es denn nun weiter geht mit all den Künstlern und mit Fanny. Aber eigentlich kann ich es mir schon denken. (P. Philippi)

Lenz, Pedro
Kein & Aber AG
ISBN/EAN: 9783036957678
20,00 €