Hans Joachim Schädlich: Felix und Felka

Neuere historische Forschungen deuten darauf hin, dass der deutsche Maler Felix Nussbaum nicht bereits am 2. August 1944 zusammen mit seiner polnischen Frau Felka Nussbaum geborene Platek nach Ankunft in Auschwitz ermordet wurde, sondern erst frühestens am 20. August, wie aus einer Krankenakte hervorgeht.
Die Felix-Nussbaum-Gesellschaft, das Felix-Nussbaum-Haus in seinem Geburtsort Osnabrück feierten diese Neuigkeit wie einen Sieg. Vielleicht zu Recht; 18 Tage Leben im Kampf gegen die Nazischlächter.
Elf Jahre zuvor, 1933, sind die Nussbaums in Rom, er als Stipendiat der Villa Massimo (und sie werden Deutschland nicht wiedersehen).
Nach einer antisemitischen Attacke verlassen sie auch diesen Ort, werden zu immer weiteren Fluchten gezwungen. Schließlich gelingt es, in Brüssel eine Unterkunft und ein Einkommen zu finden, sie bleiben die letzten zehn Jahre ihres gemeinsamen Lebens in Belgien.  Felix Nussbaum malt dort seine Bilder über Flucht und Exil, sie werden zu seinen bekanntesten.
Das Buch von Hans Joachim Schädlich nun ist kein Roman, eher ein Bericht, und wer eine ausführliche Biographie über den Maler lesen möchte, sollte zu Mark Schaevers ´Orgelmann´greifen.
Schädlich ist ein Meister der kurzen Form, des Weglassens. Er hat aus den umfangreichen Quellen, die er im Buch ebenso wie die Lebens- und Todesdaten seiner Protagonisten aufführt, eine Lebens- und Exilgeschichte destilliert, die gerade durch die Sachlichkeit , das fast Protokollarische der Szenen, die Knappheit der Dialoge aus dem Leser auch einen Zeugen werden lässt.
Und es ist damit auch ein Verdienst dieses Buches, dass es unserer Erinnerung Menschen wie Felix und Felka Nussbaum schenkt. (F. Peters)

 

Schädlich, Hans Joachim
Rowohlt Verlag
ISBN/EAN: 9783498064372
19,95 €