John Williams: Butcher’s Crossing

Der amerikanische Autor John Williams gelangte in Deutschland erst posthum zu literarischem Ansehen. Sein Roman Stoner um einen aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Literaturprofessor fand bei Kritikern und Lesern großen Anklang. Nun ist im dtv ein zweiter großartiger Roman dieses Autors aus dem Jahr 1960 erschienen  und in diesem lässt der Autor seinen Helden den umgekehrten Weg gehen.
Kansas, 1870. Will Andrews, Spross einer angesehenen Bostoner Familie, trifft in Butcher’s  Crossing ein, einer Ansammlung aus Zelten und einer Handvoll Holzhäusern. Auf den Spuren von Thoreau und Emerson sucht der junge Mann in der Wildnis nach sich selbst und seiner Bestimmung. Doch auf den großen Prärien haben Büffeljäger die Herden fast ausgerottet, die unberührte Natur hat Flecken.
Schließlich finanziert Andrews die Expedition des erfahrenen  Jägers Miller, der von einem abgelegenen Tal in den Bergen Colorados erzählt, in dem es noch riesige Büffelherden gebe. Doch die Jagd steht unter keinem guten Stern.
Kraftvoll und gradlinig erzählt Williams von der Suche nach den eigenen Grenzen und von menschlicher Gier. In einer grandiosen und gnadenlosen Wildnis bleibt kein Platz für Schwärmerei und Naturromantik, irgendwann geht es für Andrews und seine Begleiter um nichts anderes als ums Überleben.
Sicher ist Butcher’s Crossing nicht als Gegenentwurf zu Stoner zu lesen, eher umgekehrt, da dieser „neue“ Roman fünf Jahre vor Stoner entstand. Und doch liest sich im Vergleich zum Bildungsroman Stoner dieser wie der Roman einer Verwilderung. (P. Philippi)

Williams, John
dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
ISBN/EAN: 9783423145183
10,90 € (inkl. MwSt.)