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Giulia Caminito: Das Wasser des Sees ist niemals süß

Dies ist weder Autobiografie noch Autofiktion, wie die Autorin in ihrer Nachbemerkung klarstellt, sondern ein Buch über drei bedeutende Frauen ihres Lebens, aus denen sich die tragenden Personen des Romans zusammensetzen.
Alles beginnt mit der Mutter, die ein Sozialamt stürmt, um endlich eine menschenwürdige Unterkunft für ihre Familie zu ergattern. Mit ihrem Mann, der seit einem Arbeitsunfall im Rollstuhl sitzt, Zwillingen, einem Sohn und der Tochter Gaia -der Ich-Erzählerin- lebt sie auf engstem Raum in einem betonierten Souterrain, aus dem eben erst die Kakerlaken vertrieben worden sind.
Immerhin gelingt ein quasi-legaler Umzug aus dem römischen Keller in einen Sozialwohnungsbau am Lago die Bracciano, wo Gaia aufwachsen wird und uns von ihrer schwierigen Jugend erzählt, reich an Entbehrungen und Demütigungen.
Doch sie weiß sich zu wehren, und überrascht stellen wir fest, dass diese Geschichte nicht taugt für allzu große Sympathiegefühle und Gaia keine bequeme Identifikationsfigur abgibt. Eine unfreundliche Mitschülerin wird da auch einfach mal umgehauen, einem nervenden Jungen der Tennisschläger übergezogen. Es ist die Geschichte einer berechtigten Wut.
Und so bietet der Roman soziale und kulturelle Einblicke in die Gegenwart eines Landes, von dem wir vielleicht einmal dachten, es zu kennen. Von der Mutter alter kommunistischer Prägung und Strenge bis zum anarchistischen Sohn, der sich den Protest nicht verbieten lässt, erzählt Gulia Caminito die Geschichte der Widerstandskraft auch einer jungen Frau, die weiß, dass die Wasser des Lago Bracciato ebenso romantisch verklärt wir vergiftet sind. (F. Peters)

Roman, Quartbuch
Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783803133496
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Kategorie: Belletristik